Am 11.6., dem Geburtstag von Richard Strauss, hörte ich um sechs morgens zufällig BR Klassik, da wurden Freikarten für ein Orchesterkonzert in Garmisch angeboten. Das ist nicht zu weit für uns und auch eine Riesenfreude für Gisela, die dort als Jugendliche eine Bildhauerausbildung gemacht hat. Ich verwähle mich dreimal und sehe meine Chancen auf dem Nullpunkt. Plötzlich bin ich durch! "Wir haben noch zwei Karten" ... "die nehme ich!" Nachdem ich heute früh anderthalb Stunden am Dorfplatz Klavier gespielt habe, schlägt Gisela vor, früh nach Garmisch zu fahren. So kann ich dort auch fliegen. Es ist wohl tendenzell Ost- bis Nordwind. Die Wolken sind deutlich unter 2000 m. Ich entscheide mich für des Kreuzeck, ich bin da noch nicht geflogen.
Der Startplatz ist schnell gefunden, der ist ziemlich flach und um die Ecke.
Über mir kommt vom Osterfelder her ein Schirm durch die Wolken.
Ich starte bei einem Hauch von vorn, ich muss lange laufen, das ist nicht gut für meinen Fuß, aber das Hirn schaltet bei einem Start auf rücksichtslos. Der Wind kommt eigentlich von links. Kaum bin ich im freien Luftraum, steigt es gut.
Schnell steige ich zur Wolkenbasis. Es gibt zwei gute Gründe, den Flug nicht sehr auszudehnen: Erstens möchte ich Gisela nicht lange warten lassen. Zweitens ist der Landeplatz berüchtigt für Turbulenzen und heute wie so oft starker Talwiund zu erwarten.
Das Weiße dicht am Bahnhof ist der Veranstaltungsort Alpspitzhalle. Ich erinnere mich noch gut an die Fliegermesse in diesem Komplex.
In Erwartung der anspruchsvollen Landerei stehe ich schon voll unter Strom.
In 100 m über Grund fliege ich tendenziell rück- wärts. Ich komme gut rein, Gisela fotografiert mich.
Jetzt ist keiner mehr in der Luft. Das wird auch die nächsten Stunden so bleiben.
Als nächstes streichen wir um die Schnitzschule.
In Partenkirchen hat Gisela damals eng, kalt und dunkel gewohnt. Wir besuchen eine Bekannte aus der Zeit, bei der sie oft zum Karten spielen war. Wiedersehen nach 45 Jahren! Von ihr erfahren wir, dass ihre damalige Zimmerwirtin gerade gestorben ist.
Der Flügel im Schaufenster ist aus Schokolade.
Als nächstes zieht es uns ans Wasser. Wir wählen der Riessersee, über den ich heute schon geflogen bin. In meiner Jugend hatten meine Eltern ein Aquarell hängen, das den Riessersee mit den Waxensteinen im Hintergrund zeigte.
Das Wasser hat weit über 20. Ich bade verbotenerweise außerhalb der Badeanstalt. Dort liegen sie aber nur in der Sonne herum.
Anschließen bummeln wir durch Garmisch. Gisela befriedigt ihren Heißhunger.
Wir wollen uns auch die Villa vom alten Richard Strauss ansehen. Wir fragen uns durch, das ist ein ganzes Stück zu laufen.
Als wir sie schließlich finden, wird mir klar, warum es dahin keine Wegweiser gibt - es ist das Privatdomizil seiner Nachfahren, kein Museum.
Die Konzertkarten bekommen wir problemlos anderthalb Stunden vorher, wir gehen noch Eis essen, teuer.
Das Konzert wird ein wunderbares Erlebnis. Eigentlich darf man ja nicht fotografieren. Ich habe die Kamera in der Hosentasche, schon richtig eingestellt. Beim letzten Stück, Also sprach Zarathustra, wage ich den Schnappschuss.